Süße Verführung: Hochzeitstorten

Häufig gefragt: Torten ins Herzform
Häufig gefragt: Torten ins Herzform

Sie sind säulen-, treppen-, etagen- oder herzförmig. Gefüllt mit Sahne, Butter- oder  Weincreme. Überzogen mit Marzipan, Zuckerguss oder Schokolade und prachtvoll verziert mit Blüten:

Bei Hochzeitstorten werden Träume wahr

Doch die süße Pracht bereichert nicht nur die Kaffeetafel, sie gibt auch Hinweise auf die künftige Partnerschaft des Brautpaares. Denn wer beim Anschneiden der Torte die Hand oben hat, wird auch in der Ehe das Kommando führen. Das sagt zumindest der Volksmund, der den Brautkuchen als Fruchtbarkeitssymbol ansieht. Schon in der Antike wurde extra fürs Hochzeitsfest ein Kuchen gebacken. Traditionell aus Mehl, Honig, Gewürzen und vielen, vielen Mandeln. Dieses Naschwerk zerbröselten die Römer über den Köpfen der jungen Eheleute. Mit Glück und Gesundheit durften diejenigen rechnen, die die Krümel vom Boden auflasen und aßen. Kein Wunder, dass dieser Brauch keinen Bestand hatte. Im Laufe der Zeit ging man dazu über, den Gästen ganze Kuchen anzubieten, die diese oftmals selbst mitgebracht hatten. Wurden die Mitbringsel übereinander gestapelt, entstand die lange Zeit typische Etagenform der Torte. Fünf Ebenen sollten es sein als Symbole für Geburt, Kommunion oder Konfirmation, Heirat, Kinderreichtum und Tod.

So galt die mehrstöckige Version bis vor einigen Jahren noch als die Hochzeitstorte schlechthin, meist mit Buttercreme gefüllt, mit Marzipan überzogen, essbaren roten Rosen um einem Plastikbrautpaar geschmückt. Wer es besonders eindrucksvoll mochte, legte noch ein paar Stockwerke dazu und ließ die Pracht in die Höhe wachsen. Bis zu 15 Etagen soll es schon gegeben haben, zehn halten Konditor für realistisch. Und natürlich nicht selbsttragend, sondern auf Etageren angerichtet. Je nachdem, wie diese Gestelle ineinander gefügt sind, entstehen verschiedene Säulen- oder Treppenformen.

Die Hochzeitstorte im Wandel

Seit einigen Jahren geht der Trend immer mehr weg von dem klassischen „Stockwerkbau“, die Form kommt mehr in den Vordergrund. Und zwar eine ganz bestimmte: das Herz. Ganz egal, ob man sich für ein Herz entscheidet oder zwei ineinander verschlungene wählt, beim Fest der Liebenden steht das Symbol der Liebe im Mittelpunkt. „Das Herz liegt voll im Trend, und es gibt wunderbare Gestaltungsmöglichkeiten“ verspricht Konditormeister Jean Warnecke vom Koblenzer Café Baumann. Dabei schwärmt er von essbaren oder echten (mit Zucker abgestreuten) Rosen, die die Hochzeitstorte zu einem Augenschmaus werden lassen. Kein Wunder, dass sich gut 80 Prozent der Brautleute für das Hochzeitsherz entscheiden. Wird das dann noch mit einem kleinen Feuerwerk von Wunderkerzen hineingetragen, ist die Schau perfekt. Hollywood- oder Traumschiffhochzeit sagen die Bäcker dazu. Auch der Zeitpunkt des Spektakels will gut gewählt sein. Entweder als Dessert nach dem Hochzeitsessen oder – noch besser – als süße Mitternachtsüberraschung kommt die Pracht besonders gut an.

Wer sie trotzdem lieber zur Kaffeezeit anschneidet, sollte auf jeden Fall für ein eindrucksvolles Entrée sorgen. Dann ist der Beifall der Gäste gewiss. Das Brautpaar darf sich dann über der Torte küssen – wobei es darauf achten muss, sie nicht zu berühren oder gar umzustoßen, um den vom Volksmund versprochenen Kindersehen nicht zu gefährden – und sie dann gemeinsam anschneiden. Aber Achtung, wer die Hand oben hat….

Wurden in der Torte noch zwei Kaffeebohnen, je eine geröstete und ungeröstete, mitgebacken, darf mit Spannung auf die Finder gewartet werden. Wer das Stück mit der gerösteten Bohne bekommt, ist ein Glückspilz und darf sich auf seine baldige Verlobung freuen. Erwischt er aber die ungeröstete, bleibt er für immer ledig.

Auch wenn nicht alles ernst zu nehmen ist, was im Laufe von Jahrhunderten überliefert wurde, so sorgen die alten Bräuche doch in jedem Fall für Unterhaltung. Wenn auf das Brauchtum dann der Zeitgeist trifft, kann eigentlich gar nichts schief gehen. Und mit den neuesten Trends, da kennen sich die Konditoren bestens aus. Jean Warnecke weiß, was im Moment am gefragtesten ist: prachtvoll dekorierte Hochzeitsherzen, gefüllt mit leichter, gut bekömmlicher Weincreme statt mächtiger, schwer im Magen liegender Buttercreme. Dazu am liebsten noch viele frische Früchte. Trotzdem: Der Kunde sprich das Brautpaar ist König. Und wenn er oder sie es lieber wie früher mit vielen Etagen und einem Plastikpaar obendrauf haben will, so wird´s genau so gemacht. Oder soll es statt eines Herzens ein Turnschuh oder ein Motorrad sein? Möglich ist fast alles.

Es muss übrigens kein Braut- oder Taubenpaar sein, das das süße Kunstwerk ziert. Wie wäre es mit einem Foto des Brautpaares, eingescannt und auf Plastik wieder „ausgedruckt“? So wird jede Hochzeitstorte zu etwas ganz Besonderem, und jede erzählt eine eigene Geschichte, nämlich die des frisch gebackenen Ehepaares.

Neuen Kommentar erstellen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Mit dem Absenden dieses Formulars akzeptieren Sie die Datenschutzrichtlinie von Mollom.